Uganda - ein Land im Umbruch

Eine Therapie für ein ganzes Land

UgandaEine faszinierende Landschaft und traumatisierte Kindersoldaten – in Uganda treffen Gegensätze aufeinander. Mariana Rudolf, ehemalige Abiturientin des Matthias-Grünewald-Gymnasiums, hat das ostafrikanische Land bereist. Ihre Eindrücke schilderte sie bei einem Vortrag in der Mensa ihrer früheren Schule. Unter dem Titel „Ein Land im Umbruch“ vermittelte sie einen Einblick in Vergangenheit und Gegenwart Ugandas. Die mit Bildern unterlegte Präsentation fand in der Reihe „Forum MGG“ statt.

Mariana Rudolf hat 2004 am Matthias-Grünewald-Gymnasium das Abitur abgelegt. Sie studiert am psychologischen Institut der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Als Examenskandidatin bereitet sie sich derzeit auf die Prüfung im Sommer vor.

„In der Schule war Afrika kaum ein Thema“, erzählt Mariana Rudolf. An eine Äußerung ihres Erdkundelehrers Volker Weidhaas kann sie sich aber noch gut erinnern. „Spreche ich denn ugandisch“, habe er gesagt, wenn die Schüler wieder einmal keine Antwort auf seine Frage wussten. Dass Mariana Rudolf dann tatsächlich nach Uganda kommen sollte, war aber eher Zufall.

Zusammen mit einer Kommilitonin hatte sie im vergangenen Jahr Gelegenheit, Uganda zu besuchen. Zweieinhalb Monate verbrachten die beiden in verschiedenen Regionen des Landes, um sich in Kooperation mit dem örtlichen „Roten Kreuz“ ein Bild von der therapeutischen Arbeit zu machen. Die ist dringend nötig, handelt es sich bei Uganda doch um ein Land, das vor allem durch blutige Konflikte in den letzten Jahrzehnten von sich reden machte.

Über das „Rote Kreuz“ erhielten die beiden Studentinnen Kontakte zu ehemaligen Kindersoldaten und Kommandanten der Rebellenarmee. Bei verschiedenen Treffen versuchten sie herauszufinden, wie therapeutische Hilfe geleistet wird und welche Maßnahmen getroffen werden, um den ehemaligen Kämpfern die Rückkehr in das zivile Leben zu ermöglichen. Ganz nebenbei lernten die beiden die Arbeit einiger Nichtregierungsorganisationen kennen.

Die Fakten sind erschütternd. Uganda – einst als „Perle Afrikas“ gerühmt – leidet seit vielen Jahren unter blutigen Auseinadersetzungen. Nach einer 2010 veröffentlichten Studie der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hat die ugandische Rebellenorganisation „Widerstandsarmee des Herrn“ (LRA) wiederholt Menschen entführt, um sie zum Töten zu zwingen.

Unter ihrem vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag als Kriegsverbrecher gesuchten Kommandeur Joseph Kony führte die LRA fast 20 Jahre lang einen brutalen Bürgerkrieg in Norduganda. Vor fast fünf Jahren zogen die Rebellen sich wegen des zunehmenden Drucks und Erfolgs der ugandischen Regierungstruppen in den Kongo zurück. Die LRA hat seit Beginn des Bürgerkriegs Schätzungen zufolge 30000 Kinder und Jugendliche entführt und als Soldaten, Sexsklavinnen und Träger missbraucht.

„Wer aus dem Krieg zurückkommt, ist traumatisiert“, berichtete Mariana Rudolf. Niederschwellige Angebote sollen die Eingliederung unterstützen. Gute Erfahrungen habe man beispielsweise mit der Gesprächstherapie gemacht. Deren Ziel sei es, dass die Betroffenen sich angstfrei mit ihren bisher abgewehrten Erfahrungen auseinandersetzen. Auffangstationen für zurückgekehrte Kinder und Ausbildungsangebote sind weitere Maßnahmen. Fortschritte gibt es laut Rudolfs Angaben bereits. Dennoch bleibt sie realistisch: „Im Grunde genommen braucht das ganze Land eine Therapie.“

Als ein einschneidendes Erlebnis bezeichnete Mariana Rudolf ihren Uganda-Aufenthalt. Den Schülern im Publikum empfahl sie, ähnlich wertvolle Erfahrungen zu sammeln. Den therapeutisch orientierten Psychologie-Ansatz will die Studentin weiterhin verfolgen. Ihrem Examen will sie eine Doktorarbeit in diesem Bereich folgen lassen. Eine Tätigkeit auf dem Gebiet der Konflikt- und Friedensforschung kann sie sich danach gut vorstellen.

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