Kabarett mit Han`s Klaffl

Klaffl„Betreutes Lehren“ an beschützten Anstalten, bewacht von fürsorglichen Weißkitteln – so etwa kann sich Hans bzw. „Han’s Klaffl“, der Münchner Lehrer-Kabarettist, die letzten Jahre der „Restlaufzeit“ einer heutigen Pädagogenlaufbahn bis zum verdienten Vorruhestand vorstellen. Und sein Publikum in der Mensa des Matthias-Grünewald-Gymnasiums, zum großen Teil aber nicht nur aus Kollegen und Kolleginnen bestehend, dürfte verständnisinnig in sich hinein genickt haben, falls er vor lauter Lachen überhaupt dazu gekommen ist.

Vielleicht war es manchmal auch ein etwas bitteres Lachen, denn der 60-jährige, ursprünglich haupt- und mittlerweile wohl eher nebenberufliche und Alleinunterhalter dürfte bei seinem jüngsten Auftritt im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Forum MGG“ (in Zusammenarbeit mit dem Kunstverein) vielen aus dem vernarbten Lehrerherzen gesprochen haben. Besonders jenen, die, wie er einst als reformbegeisterte Spät-68er ihre Laufbahn begonnen haben und als gründlich desillusionierte Oberstudienrätinnen und –räte heute zur Ansicht gelangt sind, dass schlechte bzw. fehlende Leistungen ihre Zöglinge letztlich nur auf zwei Ursachen beruhen:  Dummheit und/oder Faulheit. Das ist natürlich weder eine bahnbrechende Erkenntnis noch ein Ausweis fortschrittlich engagierter Pädagogik. Davon hält dieser schlitzohrige Veteran des Bildungsbetriebs aber auch nicht mehr viel, wenn man ihm glauben darf. Hans Klaffls aktuelles „Restlaufzeit“ thematisierte wieder einmal den klaffenden Widerspruch zwischen hehrer pädagogischer Theorie und der zermürbenden Praxis des Schulalltags, wo man misserfolggestählt weiter vor sich hin unterrichtet „bis der Denkmalschutz kommt“. Dies ist sicher auch ein ernstes Thema, doch Multitalent  Klaffl weiß ihm mit mitgrimmigem, bärbeißigen Humor und drastischen Vergleichen immer wieder umwerfend komische Seiten abzugewinnen. Dazu dient ihm seine bekannte Parade von Kollegentypen mit dem Hausmeister Grantinger als Neuerwerbung und dem Wahlspruch „Der Lehrer denkt, der Hausmeister lenkt“ – Klischees natürlich, aber doch mit einem Kern von Lebenswahrheit. Dazu wurden über zwei Stunden hinweg typisch wiederkehrende Lehrer-Alltagssituationen geschildert, von denen beispielsweise die Tücken einer „Powerpoint“-Präsentation noch im niedrigsten Stressbereich lagen.

Zu eher zweifelhaften Vergnügen zählten für den Kabarettisten Wandertage oder Personalausflüge, und der Sinn von Eselsbrücken erschien ihm ebenso fragwürdig wie die nur eingeweihtenverständliche, euphemistische Zeugnissprache, die sich anscheinend immer mehr der von Betriebs-Abgangszeugnissen angleicht.

Dies bot zudem einen willkommenen Anlass für „Oberstudienrat K.“, seinen Gefühlen für seine geliebten Peiniger, die Schülerinnen und Schüler nämlich, endlich einmal breiten Raum zu geben. Last but not least – Hans oder Han’s Klaffl ist neben seinen vielen anderen Talenten auch U-Musiker und seine neu vertexteten, an Klavier und Kontrabass begleiteten Versionen einiger Schlager- und Popmusik-Evergreens – unter anderem standen diesmal Reinhard May, die Mamas & Papas und – besonders gelungen – Hans Albers mit seinem „Reeperbahn“-Lied auf dem Programm – waren ebenso witzig, wie professionell gekonnt und publikumswirksam. In seiner Art ist dieser Künstler ein echtes Unikat.

zurück