Schumann Liederabend

Jana BaumeisterMusik, die verzaubert: Robert Schumanns Eichendorff-Liederzyklus Op. 39 sang Jana Baumeister bei ihrem Konzert am Matthias-Grünewald-Gymnasium. Der Liederabend in der Mensa fand im Rahmen der Reihe Forum MGG statt.

Die romantische Poesie ist eine „progressive Universalpoesie“, erklärte einst Friedrich Schlegel. Sie vereinige getrennte Gattungen, setze sie zueinander in Verbindung und schaffe ein Gesamtkunstwerk. Robert Schumanns Eichendorff-Liederzyklus Op. 39 ist ein Beispiel dafür. 1840 erschienen, ist der Liederkreis ein Zyklus aus zwölf Vertonungen von Gedichten Joseph von Eichendorffs für Singstimme und Klavier. Schon bald nach seiner Entstehung erfreute er sich großer Beliebtheit und bildet heute einen wichtigen Teil des romantischen Liedrepertoires.

Für den Dichter-Musiker E.T.A. Hoffmann war die Musik „die romantischste aller Künste“, weil sie dem Menschen eine Welt aufschließe, „die nichts gemein hat mit der äußern Sinnenwelt, die ihn umgibt“. Eine eigene Welt ist auch Schumanns Eichendorff-Liederzyklus. Professor Arno Leicht, Jana Baumeisters Dozent an der Musikhochschule Nürnberg, erschloss sie dem Publikum, indem er den harmonischen Proportionen und der inneren Form des Zyklus nachspürte.  

„Eichendorffs Gedichte zählen zu den schönsten, die die deutsche Sprache hervorgebracht hat“, erklärte Leicht. Schumann habe sie kongenial in Musik umgesetzt. An einigen Beispielen machte Leicht diesen literarisch-musikalischen Zusammenhang deutlich. So setze der Komponist im „Intermezzo“, dem zweiten Lied des Zyklus, den wunderbaren, gleichsam auf Metaphern schwebenden Text mit ebenso schwebenden Synkopen in der Begleitung um.

Oder die „Mondnacht“. Sie ist das wohl bekannteste Lied des Zyklus und eine der populärsten Schöpfungen Schumanns überhaupt. „Musik und Dichtung ergänzen sich hier auf eine einzigartige Weise“, so Leicht. Der Text besteche durch einen betont schlichten, aber tiefe Assoziationen weckenden Ausdruck und führe gleich zu Beginn mit einem Konjunktiv in eine Art Traumsituation. Musikalisch werde diese Idee durch dominantische Akkorde, wie dem Nonenakkord gleich zu Beginn, und die pulsierende Wiederholung einzelner Töne oder Intervalle, die harmonisch umgedeutet werden, umgesetzt. „Diese Musik vermittelt den Eindruck, dass die Zeit stehenbleibt“, so Leicht.

Der Liederzyklus endet triumphal. Im letzten Lied, der „Frühlingsnacht“, erzeugt die Musik von Anfang an eine freudig erregte Stimmung. Die Harmonien bilden eine mitreißende Kette aus Septakkorden, hoch liegende Akkorde pulsieren in Sechzehntel-Triolen, die immer nur am Ende jeder der drei Strophen zum Stillstand kommen. „Der Liederzyklus erreicht hier ein Stadium höchster Beglückung und erfüllter Liebe“, so Leicht.

In einen Glückszustand versetzte auch Jana Baumeisters Gesangsvortrag. Am Klavier begleitet von Katharina Schlosser, nahm sie das Publikum mit auf eine emotionale Achterbahnfahrt. Einfühlsam und ausdrucksstark oszillierte ihre Darbietung zwischen tiefster Niedergeschlagenheit und größter Zuversicht. Die Nachwuchskünstlerin – 2007 legte sie am Matthias-Grünewald-Gymnasium das Abitur ab – meisterte alle Schwierigkeiten mit Bravour. Forsche punktierte Rhythmen, melodische Bögen oder altertümliche kirchentonale Harmonien bereiteten keine Probleme. Diese Könnerschaft hat ihr schon Preise wie den beim Nürnberger Mozart-Wettbewerb eingebracht.

Die Romantik hatte einen ganzheitlichen Ansatz. Das machte der Liederabend mit Jana Baumeister deutlich. In Zeiten wie diesen, in denen die Gesellschaft in verschiedene Partialsysteme zu zerfallen droht, kann eine Rückbesinnung auf die Romantik nicht schaden. Der Auftrag an die Nachgeborenen ist klar. „Die Welt muss romantisiert werden“, forderte Novalis. Jana Baumeister hat einen Anfang gemacht.

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